Eine verstopfte Nase, Druck über Stirn oder Wangen und ein eingeschränkter Geruchssinn sprechen häufig für eine Nasennebenhöhlenentzündung. Besonders unangenehm wird es, wenn die Beschwerden beim Vorbeugen stärker werden oder ein Infekt einfach nicht abklingen will.

Im Internet finden sich zahlreiche Angebote, die versprechen, durch Druck, Massage oder osteopathische Techniken den Abfluss der Nebenhöhlen anzuregen. Dafür gibt es jedoch keine verlässlichen Wirksamkeitsnachweise. Bei einer Sinusitis sind die Schleimhäute entzündet – und genau dort muss die medizinische Einordnung ansetzen.

Was bei einer Sinusitis tatsächlich entzündet ist

Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume, die über schmale Verbindungen an die Nasenhöhle angeschlossen sind. Ihre Schleimhäute bilden Sekret, das normalerweise über Nase und Rachen abtransportiert wird.

Bei einem Infekt schwellen die Schleimhäute an. Sekret kann schlechter abfließen, die Nase fühlt sich blockiert an und in den Nebenhöhlen kann ein Druckgefühl entstehen. Da meistens gleichzeitig die Nasenschleimhaut betroffen ist, sprechen Fachleute genauer von einer Rhinosinusitis.

Typische Beschwerden sind:

  • behinderte Nasenatmung,
  • Druck oder Schmerzen im Bereich von Stirn, Wangen oder Oberkiefer,
  • verminderter oder veränderter Geruchssinn,
  • zähes Nasensekret,
  • Kopfschmerzen,
  • gelegentlich Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl.

Gelbliches oder grünliches Sekret beweist allein keine bakterielle Infektion. Auch bei einem viralen Infekt kann sich die Farbe des Schleims verändern.

Da Gesichtsdruck nicht immer von den Nebenhöhlen ausgeht, lohnt sich bei wiederkehrenden Beschwerden auch eine differenzierte Einordnung anderer Kopfschmerzformen. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Osteopathie bei Kopfschmerzen.

Akut oder chronisch? Der Unterschied verändert das Vorgehen

Akute Rhinosinusitis

Die akute Form entsteht meistens im Zusammenhang mit einer Erkältung. In vielen Fällen wird sie durch Viren verursacht und klingt innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab. Die Beschwerden können im Verlauf schwanken und müssen nicht jeden Tag gleich stark sein.

Chronische Rhinosinusitis

Bestehen Beschwerden länger als drei Monate, wird von einer chronischen Rhinosinusitis gesprochen. Dabei können Allergien, Asthma, Nasenpolypen, anatomische Engstellen oder andere Faktoren eine Rolle spielen. Wiederholte kurze Erkältungen sind nicht automatisch dasselbe wie eine chronische Entzündung.

Bei länger anhaltenden oder häufig wiederkehrenden Beschwerden ist eine HNO-ärztliche Untersuchung sinnvoll. Mit einer Untersuchung des Naseninneren, gegebenenfalls einem Allergietest und nur bei entsprechender Fragestellung weiteren Verfahren lässt sich das Problem genauer einordnen.

Orientierung für die nächsten Schritte

SituationSinnvolles Vorgehen
Leichte Beschwerden im Rahmen einer ErkältungVerlauf beobachten, ausreichend trinken und bei Bedarf geeignete symptomlindernde Maßnahmen mit Arzt oder Apotheke abstimmen.
Beschwerden werden zunächst besser und dann deutlich stärkerHausärztlich oder HNO-ärztlich abklären lassen.
Symptome bestehen länger als drei MonateUntersuchung auf chronische Rhinosinusitis, Allergien, Polypen oder andere Ursachen.
Einseitige Beschwerden mit auffälligem Geruch oder ZahnschmerzenHNO-ärztliche und gegebenenfalls zahnärztliche Abklärung.
Schwellung um das Auge, Sehstörungen oder starke KrankheitszeichenSofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Was bei akuten Beschwerden helfen kann

Die meisten unkomplizierten akuten Nebenhöhlenentzündungen heilen von selbst ab. Die Behandlung soll vor allem die Beschwerden erträglicher machen. Welche Maßnahme geeignet ist, hängt von Vorerkrankungen, Alter, Medikamenten und Stärke der Symptome ab.

Kochsalzlösungen

Nasensprays oder Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können manche Menschen als angenehm empfinden. Sie können Sekret lösen und die Nasenschleimhaut befeuchten. Nasenduschen sollten hygienisch verwendet und nach Herstellerangaben gereinigt werden. Dafür vorgesehene Salzportionen erleichtern die richtige Konzentration.

Sehr salzhaltige Lösungen können stärker reizen und sind nicht automatisch besser. Brennen, Nasenbluten oder zunehmende Beschwerden sind Gründe, die Anwendung zu unterbrechen.

Kortisonhaltige Nasensprays

Kortisonhaltige Nasensprays können Beschwerden lindern, insbesondere bei chronischer Rhinosinusitis oder Nasenpolypen. Sie wirken lokal an der Schleimhaut und müssen korrekt und regelmäßig angewendet werden. Welche Dosierung und Dauer sinnvoll ist, sollte ärztlich beziehungsweise in der Apotheke geklärt werden.

Abschwellende Nasensprays

Abschwellende Wirkstoffe können die Nasenatmung kurzfristig erleichtern. Sie sollten jedoch nur wenige Tage verwendet werden. Bei längerer Anwendung kann die Schleimhaut nach dem Nachlassen der Wirkung erneut oder sogar stärker anschwellen.

Schmerzmittel

Schmerzmittel können Kopf- und Gesichtsschmerzen reduzieren, beschleunigen aber nicht automatisch die Genesung. Wegen möglicher Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sollte die Auswahl bei Unsicherheit mit einer Arztpraxis oder Apotheke besprochen werden.

Inhalieren

Warmer Wasserdampf wird von manchen Menschen als wohltuend empfunden, eine zuverlässige Wirkung auf den Krankheitsverlauf ist jedoch nicht nachgewiesen. Von Schüsseln mit kochendem Wasser ist wegen der Verbrühungsgefahr abzuraten – besonders, wenn Kinder im Haushalt leben.

Antibiotika sind nicht automatisch notwendig

Da akute Rhinosinusitiden meistens durch Viren ausgelöst werden, sind Antibiotika häufig nicht hilfreich. Sie wirken nicht gegen Viren und können Nebenwirkungen verursachen. Außerdem fördert unnötige Anwendung die Entstehung resistenter Bakterien.

Ob Hinweise auf eine bakterielle Infektion oder ein erhöhtes Komplikationsrisiko bestehen, muss medizinisch beurteilt werden. Die Farbe des Nasensekrets reicht für diese Entscheidung nicht aus.

Chronische Sinusitis braucht einen anderen Plan

Wer über Monate schlecht durch die Nase atmen oder kaum riechen kann, benötigt mehr als eine wiederholte Behandlung akuter Erkältungssymptome. Bei einer chronischen Rhinosinusitis können beispielsweise folgende Fragen relevant sein:

  • Besteht eine Allergie?
  • Sind Nasenpolypen vorhanden?
  • Liegt gleichzeitig Asthma vor?
  • Gibt es anatomische Engstellen?
  • Könnte eine Entzündung im Bereich der Zähne beteiligt sein?
  • Werden abschwellende Nasensprays dauerhaft verwendet?
  • Besteht eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Schmerzmitteln?

Zu den möglichen Behandlungen gehören – abhängig vom Befund – kortisonhaltige Nasensprays, Kochsalzspülungen und bei schweren Verläufen weitere Medikamente. Wenn eine ausreichende Besserung ausbleibt oder ausgeprägte Polypen beziehungsweise Engstellen bestehen, kann eine Operation erwogen werden.

Eine verständliche Übersicht zu Symptomen, Verlauf und Behandlung bietet das Patientenportal des Bundesministeriums für Gesundheit unter gesund.bund.de. Vertiefende Informationen zur chronischen Form finden sich beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Wo ist Osteopathie bei Sinusitis einzuordnen?

Osteopathische Techniken können die entzündete Nasenschleimhaut nicht abschwellen lassen, Viren oder Bakterien nicht beseitigen und Nasenpolypen oder anatomische Engstellen nicht entfernen. Auch ein angebliches „Freimachen“ der Nebenhöhlen durch Druck auf Gesicht oder Schädel ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Insbesondere folgende Versprechen sind nicht seriös abgesichert:

  • eine gezielte Förderung der Sinusdrainage,
  • eine Verkürzung der Infektionsdauer,
  • eine Verringerung oder das Absetzen notwendiger Medikamente,
  • das Verhindern wiederkehrender Entzündungen,
  • die Behandlung einer chronischen Schleimhautentzündung durch Schädeltechniken.

Während eines akuten Infekts mit Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl oder schmerzempfindlichem Gesicht ist eine osteopathische Behandlung außerdem nicht sinnvoll. Ruhe und medizinische Beobachtung haben dann Vorrang.

Und wenn gleichzeitig Nacken oder Kiefer schmerzen?

Starker Husten, Schonhaltungen, schlechter Schlaf oder allgemeine Anspannung können während eines Infekts zusätzliche muskuläre Beschwerden verursachen. Auch Zahnerkrankungen und Kieferprobleme können Schmerzen hervorrufen, die mit Nebenhöhlenbeschwerden verwechselt werden.

Solche Beschwerden sollten zunächst getrennt betrachtet werden:

  • Gesichtsschmerz und verstopfte Nase: hausärztlich oder HNO-ärztlich einordnen.
  • Einseitiger Oberkieferschmerz oder auffälliger Zahn: zahnärztlich untersuchen lassen.
  • Anhaltender mechanischer Nackenschmerz nach abgeklungenem Infekt: eigenständig untersuchen und nicht als Ursache der Sinusitis behandeln.

Eine spätere manuelle Behandlung einer tatsächlich vorhandenen Bewegungseinschränkung wäre damit eine Behandlung der Begleitbeschwerde – nicht der Nebenhöhlenentzündung.

Eine blockierte Nasenatmung ist außerdem von Beschwerden des Brustkorbs oder der Atemmechanik zu unterscheiden. Diese Abgrenzung erläutert unser Artikel Osteopathie und Atmung.

Fünf verbreitete Irrtümer im Kurzcheck

„Grüner Schleim bedeutet, dass ich Antibiotika brauche.“ Nein. Die Farbe allein unterscheidet eine virale nicht zuverlässig von einer bakteriellen Infektion. „Starker Gesichtsdruck muss aus den Nebenhöhlen kommen.“ Nicht immer. Auch Migräne, Zahnerkrankungen und andere Ursachen können ähnliche Beschwerden auslösen. „Je stärker die Nasenspülung, desto besser.“ Nein. Zu konzentrierte Lösungen können die Schleimhaut reizen. „Abschwellendes Nasenspray kann ich dauerhaft verwenden.“ Nein. Bei längerer Anwendung kann ein problematischer Gewöhnungs- und Rückschwellungseffekt entstehen. „Wenn das Gesicht nach einer manuellen Behandlung leichter wirkt, ist die Entzündung gelöst.“ Ein subjektiv verändertes Druckgefühl beweist weder eine verbesserte Drainage noch das Abklingen der Entzündung.

Warnzeichen: Damit nicht abwarten

Komplikationen sind selten, können aber ernst sein. Unmittelbar medizinisch abgeklärt werden sollten:

  • Schwellung, Rötung oder starke Schmerzen rund um ein Auge,
  • Doppelbilder, Sehverschlechterung oder eingeschränkte Augenbeweglichkeit,
  • sehr starke oder rasch zunehmende Kopfschmerzen,
  • Nackensteife, Lichtempfindlichkeit oder Verwirrtheit,
  • hohes Fieber und deutlich verschlechterter Allgemeinzustand,
  • neurologische Auffälligkeiten,
  • starke Beschwerden bei geschwächtem Immunsystem.

Bei schweren akuten Symptomen oder Bewusstseinsstörungen ist der Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Der sinnvolle Maßstab: Ursache klären statt Druck „wegbehandeln“

Bei einer akuten Sinusitis ist meist Geduld gefragt, ergänzt durch geeignete Maßnahmen zur Beschwerdelinderung. Bei chronischen oder ungewöhnlichen Verläufen kommt es dagegen auf eine genaue HNO-ärztliche Ursachensuche an.

Osteopathie kann diese Aufgaben nicht übernehmen. Wenn nach abgeklungenem Infekt eine eigenständige körperliche Beschwerde zurückbleibt, lässt sich diese separat beurteilen. Die Entzündung selbst gehört jedoch nicht unter vermeintlich drainierende Hände, sondern in eine medizinisch nachvollziehbare Diagnostik und Behandlung.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder HNO-ärztliche Diagnose und Behandlung.